Hallo liebe
LeserInnen,
bald schon ist wieder
der 23. September, der weltweit traditionell als Bi Visibility Day begangen
wird. An diesem Tag soll daher ganz bewusst das Thema Bisexualität in die
Gesellschaft gebracht werden. Darum freue ich mich heute ganz besonders, hier
für euch ein weiteres Interview mit einer ganz lieben, jungen Dame zeigen zu
dürfen
Gina ist 22 Jahre alt
und ist in der Landschaft der wunderschönen Mecklenburgischen Seenplatte
aufgewachsen. Mit ihr habe ich unter anderem darüber gesprochen, wie wichtig es
ist, dass die sexuelle Orientierung im Schulunterricht mehr Beachtung finden
muss und welche Bedeutung der Bi Visibility Day in der heutigen Zeit für mehr
Transparenz und Akzeptanz der bisexuellen Community in der Gesellschaft hat.
Darum möchte ich mich an dieser Stelle bei ihr noch einmal ganz herzlich dafür
bedanken, dass sie mir so bereitwillig Rede und Antwort gestanden hat. Es hat
mir wirklich sehr viel bedeutet, zumal somit nun endlich, endlich auch einmal
eine Frau zu Wort kommt.
Fabian: Hallo liebe Gina.
Vielen Dank erst einmal dafür, dass du uns heute einen kleinen Einblick in dein
Leben geben möchtest. Erzähl uns doch bitte zunächst, wie du den Begriff
Bisexualität definieren würdest.
Gina: Bisexualität heißt für mich persönlich, sich nicht nur
zu einem Geschlecht hingezogen zu fühlen. Ich finde sowohl Männer als auch
Frauen rein sexuell gleichermaßen, aber doch völlig anders, also auf völlig
unterschiedliche Art und Weise anziehend und attraktiv. Als Frau finde ich
andere Frauen jedoch nur sexuell anziehend und interessant, emotional, also
wirklich eine feste Beziehung kann ich mir, Stand Heute, nicht vorstellen.
Ich finde, Bisexualität ist viel mehr als sich nur zu beiden
Geschlechtern hingezogen zu fühlen, man kann oder sollte immer unterscheiden:
Fühle ich mich emotional und
sexuell zu beiden Geschlechtern hingezogen? Also halte ich es für
wahrscheinlich mich auch einmal in das gleiche Geschlecht verlieben zu können?
Oder fühle ich mich „nur“ sexuell oder „nur“ emotional zu beiden Geschlechtern hingezogen?
Suche ich nur Sex beim gleichen Geschlecht? Suche ich nur
Sex beim anderen Geschlecht?
Bin ich überhaupt bisexuell? Oder ist es „nur“ sexuelle
Neugierde?
Bisexualität für mich persönlich oder in meinem persönlichen
Fall ist, mich sexuell zu beiden Geschlechtern hingezogen zu fühlen, emotional
nur zu Männern.
Fabian: Mit welchem Geschlecht
hast du deine ersten sexuellen Erfahrungen gemacht?
Gina: Das war mit meinem damaligen Freund, meinem jetzigen
Mann. Alles sehr schön, aber aus heutiger Sicht ziemlich unspektakulär.
Fabian: Wie kam es zum ersten
Mal mit deinem Freund?
Gina: Das war, ganz unromantisch, geplant. Wir haben viel
darüber gesprochen und irgendwann wollten wir es beide. Weil nichts schiefgehen
sollte, haben wir meine Eltern gebeten, auswärts zu essen und sich vielleicht
etwas mehr Zeit zu lassen, weil kein Druck und Stress mit einspielen sollte.
Wir wollten ungestört sein und keinen Stress haben, wir wollten einfach für uns
sein.
Fabian: Und wie kam es zu
deinem ersten Mal mit einem Mädchen? Fiel es dir leicht, dich darauf
einzulassen?
Gina: Uhi, das ist eine lange Geschichte. Es entwickelte
sich eigentlich langsam. Mit meiner damals besten Freundin war es. Wir haben
viel unternommen, Filme geschaut zum Beispiel und irgendwann begann es damit,
dass wir uns aneinander kuschelten: Erst nur den Kopf an die Schulter der
anderen, später auch den Arm um die Schulter gelegt und so kam man sich immer
näher. Als es dann wirklich das erste Mal in Richtung Sex ging war das für mich
einerseits sehr komisch, völlig unbekannt, andererseits war ich neugierig, wie
es wohl wird und wollte es unbedingt probieren, andererseits fiel es mir nicht
wirklich leicht mich darauf einzulassen, allein schon, weil ich schon in einer
Beziehung war. Ich fragte mich also, ob das alles so richtig ist.
Fabian: Was hat dir dabei
geholfen, dich trotzdem auf diese neuen Eindrücke mit einer Frau einzulassen?
Gina: Eigentlich hat die Neugierde gesiegt und natürlich war
ich auch gelinde gesagt sehr erregt, was mir zumindest ein bisschen das Gefühl
vermittelte, dass es so falsch nicht sein kann, also habe ich es geschehen
lassen und die Kombination aus dieser Erregung und der Neugierde haben es mir
etwas leichter gemacht.
Auch wenn es ein paar Male gebraucht hat, bis ich mich so
richtig fallen lassen konnte.
Fabian: Würdest du sagen, dass
es einen Unterschied zwischen dem lesbischen Sex und heterosexuellem Sex gibt?
Und wo siehst du eventuell sogar Gemeinsamkeiten?
Gina: Eigentlich ist das eine mit dem anderen nicht zu
vergleichen, zumindest für mich nicht. Beim homosexuellen Sex, also beim Sex
mit einer Freundin, stehen viel mehr die Zärtlichkeit, die Zweisamkeit, das
Intime im Vordergrund, man könnte sagen, der Weg ist das Ziel, während beim
Hetero-Sex doch eher die Orgasmen im Vordergrund stehen. Beim homosexuellen Sex
ist es halt der Weg dorthin. Für mich steht also beim lesbischen Sex der Weg
zum Orgasmus im Vordergrund. Man könnte sagen, das Ziel ist das gleiche, nur
der Weg ist ein völlig anderer.
Eine Gemeinsamkeit also ist am Ende der Orgasmus, auch kann
eine Frau die andere, wenn auch oft mit Hilfsmitteln, penetrieren, also es gibt
durchaus einige Parallelen.
Fabian: Manche behaupten,
lesbischer Sex sei gar kein „richtiger Sex“. Was entgegnest du, wenn du so
etwas hörst?
Gina: Diese Leute sollen mir erst mal ihre Definition von
Sex darlegen. Ich finde es arm, wenn Sex nur auf Penetration mit einem echten
Penis reduziert wird, das sind dann wieder einmal Kerle die meinen, sie hätten
die Intelligenz mit Löffeln gefressen und meinen, sie wären unverzichtbar. Denen
sage ich dann, dass Frauen durchaus auch ohne Männer Spaß haben können, auch
wenn es ihrem Ego einen erheblichen Dämpfer verpasst.
Fabian: Wenn in der Schule über
das Thema Sexualität gesprochen wird, kommt es schnell zur Sprache, dass man
beim Sex mit Kondomen verhüten sollte, um sich vor Krankheiten zu schützen.
Worüber aber kaum gesprochen wird, ist die Möglichkeit der Verhütung beim
gleichgeschlechtlichen Sex. Wie hast du dich darüber informiert?
Gina: Ganz ehrlich? Ich habe gegoogelt. Ob es überhaupt
nötig ist, zu verhüten, welche Verhütungsmethoden es gibt und so weiter.
Ehrlich gesagt haben wir aber nie [mit Kondom] verhütet, da ich mich vorher
schon habe untersuchen lassen und wusste, dass ich keine Geschlechtskrankheit
habe, auch mein Mann hat keine, sodass ich mich auch nicht anstecken konnte. Und
auch meine Partnerin hatte sich untersuchen lassen, weil sie auch eine
Beziehung vorher hatte, die leider nicht lange hielt.
Fabian: Findest du, dass in der
Schule LGBTQ-Themen im Sexualkundeunterricht ausreichend behandelt werden? Hätte
es dir persönlich geholfen, wenn diese Themen stärker in der Schule beachtet
werden würden?
Gina: Nein, allgemein finde ich, dass auch der „normale“
Sexualkundeunterricht eigentlich zu kurz kommt. Und homosexueller Sex wird
eigentlich gar nicht angesprochen, zumindest bei uns damals wirklich kein
bisschen. Dabei fände ich es durchaus wichtig, nicht nur damit man gleich über
mögliche Gefahren, Risiken aber auch Verhütungsmethoden informiert ist und
natürlich und vor allem deswegen um dieses Thema endlich transparenter,
bekannter und anerkannter zu machen, eventuelle Verunsicherungen abzubauen und
vielleicht so etwas wie „Verständnis“ oder „Respekt“ vor gleichgeschlechtlichem
Sex aufzubauen. Denn das ist, obwohl es längst in unsere Zeit gehört, noch immer
ein Tabu-Thema.
Fabian: Nachdem dir klar war,
dass du bi bist, wem hast du als erstes davon erzählt? Fiel es dir von Anfang
an leicht, offen dazu zu stehen? Wie bist du zum Beispiel vor deinen
Mitschülerinnen und Mitschülern damit umgegangen?
Gina: Als allererstes, so blöd wie es klingt, meiner
damaligen Sex-Partnerin. Als zweites habe ich meinem Opa und meinem Vater davon
erzählt, aber nicht so direkt. Eher so: „Ich finde Mädchen auch attraktiv.“ Bis
ich wirklich den Mut hatte ganz offen und ehrlich zum Beispiel meinen Eltern
davon zu erzählen, hat es ein bisschen gedauert, zumal ich mich auch gefragt
habe, ob es meine Eltern überhaupt interessiert? Ob es überhaupt erwähnenswert
war?
Bis ich es anderen aus meinem Bekannten- und Freundeskreis
erzählt habe, hat es auch gedauert. Als ich ihnen davon erzählt habe, konnte
ich längst offen und ehrlich dazu stehen und hatte auch keine Angst mehr vor
der Reaktion, denn wer es nicht akzeptiert hätte, der wäre einfach nicht der
richtige Freund oder die richtige Freundin gewesen.
Fabian: Als du dich bei deiner
Familie geoutet hast, wie waren die Reaktionen darauf?
Gina: Die Reaktion meiner Mutter war eine andere bzw. es hatte andere
Beweggründe, die ich in einer separaten Nachricht noch einmal erwähne, denn diese
Vorwürfe rührten von ihrer Erkrankung her .
Sie wusste schon vorher, dass ich bisexuell bin und die Reaktion war ... wie
soll ich sagen? Nicht gleichgültig, aber halt neutral. Sie hat gesagt, dass das
nichts Schlimmes, Krankes oder Unnormales sei, dass ich nicht viel auf die
Reaktionen anderer geben soll, denn blöde Sprüche und Bemerkungen würde es
immer wieder geben, ich solle tun, was mich glücklich macht.
Auch mein Vater hat ähnlich reagiert. Er hat gesagt, dass
ihm egal ist, mit wem ich zusammen bin, ob mit Mann oder Frau, er offen für
alles wäre. Sofern es eine anständige Person ist, macht es für ihn keinen
Unterschied, ob ich mit einem Mann oder einer Frau liiert bin, ich bin seine
Tochter und ich werde es immer bleiben, es ginge ihn auch nichts an, weil es
mein Leben ist.
Fabian: Du hast kürzlich deinen
Mann geheiratet (herzlichen Glückwunsch dazu). Wie seid ihr in eurer Beziehung
mit deiner Bisexualität umgegangen? Wann hast du ihm davon erzählt und hattest
du Angst, dass es eure Partnerschaft belasten könnte?
Gina: Bevor ich mich ihm anvertraut habe, hatte ich
natürlich Angst, dass es unsere Beziehung belasten könnte oder er sich sogar
von mir trennt. Erst war er wohl auch nicht so begeistert, das lag aber eher an
Unwissenheit. Wir haben sehr lange, ausführlich und ernsthaft darüber
gesprochen, ich habe ihm erklärt, dass meine Gefühle für ihn niemals in Gefahr
sein werden, dass ich nur ihn liebe, mir sexuell aber etwas fehlt, was mir kein Mann dieser Welt geben kann. Seien
es Sachen wie das Lecken, das Streicheln eines weiblichen Körpers und so weiter.
Er hat gefragt, was das für Konsequenzen für ihn hätte, und ob ich, falls es
ein Problem für ihn sein würde, darauf verzichten würde. Und nach einer kurzen
Zeit war es eigentlich auch absolut gar kein Problem mehr.
Fabian: Wie wichtig war es dir,
offen mit deinem Freund über deine Bisexualität zu sprechen? Du hättest ja auch
so tun können als ob nichts wäre und deine homosexuellen Neigungen unterdrücken
können.
Gina: Das kam für mich tatsächlich
nie in Frage. Das wäre für mich einem Betrug gleich gekommen. Daher war es für
mich sehr wichtig, da wir keine Geheimnisse voreinander haben und ich wollte,
dass er versteht, was die Beweggründe für mich sind. Außerdem hätte ja auch die
Gefahr bestanden, dass er es irgendwie mitbekommt und dann wäre die Gefahr
einer „unangenehmen Reaktion“ verständlicherweise viel größer gewesen. Für mich
war es nie eine Option, etwas hinter seinem Rücken zu tun, schließlich lieben
wir uns und können offen und ehrlich über alles reden.
Fabian: Ihr habt euch dann für
eine offene Beziehung entschieden. Welche Regeln habt ihr dafür aufgestellt?
Gina: Also richtige Regeln gibt es gar keine, es sind
vielmehr Vereinbarungen. So möchte er zum Beispiel wissen, mit wem ich wann
sexuellen Kontakt habe oder hatte. Das hat für ihn einfach den Zweck, zu
wissen, wo ich bin.
Falls ein anderer Mann dabei sein sollte, so sind
Zungenküsse tabu aber ohnehin auch nicht von Interesse für mich. Außerdem sind
Kosenamen wie „Schatz“ oder „Schatzi“ tabu, auch bei lesbischem Sex. Sollte ein
anderer Mann beteiligt gewesen sein, wird auch natürlich nicht mit ihm in einem
Bett übernachtet gegebenenfalls.
Fabian: Es gibt den Spruch „Ein
bisschen bi schadet nie“ – glaubst du, dass da etwas Wahres dran ist?
Schlummert deiner Meinung nach in jedem von uns ein bisschen Bisexualität?
Gina: Ja, das denke ich. Es klingt blöd, aber es ist wie mit
Krebs, die Zellen hat jeder in sich, nicht bei jedem brechen sie aber auch aus.
Ich meine, immerhin kann ich mir nicht vorstellen, dass das gleich im
Mutterleib vererbt wird, quasi. Das kann sich ja auch nach Jahren noch
entwickeln, also denke ich in jedem Menschen steckt ein bisschen Bisexualität.
Fabian:
Am 23. September ist Bi Visibility Day.
Ziel dieses Tages ist es, auf Bisexualität
aufmerksam zu machen, denn für viele ist das „B“ in „LGBTQ“ der Buchstabe, der
am wenigsten Beachtung in der Öffentlichkeit findet. Was glaubst du, wird
darüber wirklich zu wenig in unserer Gesellschaft gesprochen?
Gina: Ja, eindeutig. Ich persönlich habe den Eindruck, dass
Bisexualität noch weniger Anerkennung und Akzeptanz findet als Homosexualität.
Das hat so ein bisschen das Image, dass sich ein bisexueller Mensch nicht
entscheiden kann oder will. So nach dem Motto: „Finde ich als Mann/Frau
keine(n) Frau/Mann suche ich halt bei Mann/Frau.“
Bisexualität ist viel mehr, viel komplizierter als nur auf
beides zu stehen. Viele finden, es wäre einfacher, einen Partner zu finden, ich
empfinde es als viel komplizierter. Und genau das wissen die wenigsten, eben
weil viel zu wenig darüber gesprochen wird.
Fabian: Was genau macht die
Suche nach einem Partner für Bisexuelle deiner Meinung nach so viel
schwieriger?
Na ja, es beginnt ja schon damit, dass es viel mehr
potenzielle Partner und Partnerinnen gibt. Hetero-, oder Homosexuelle können
sich auf ein Geschlecht beschränken, für die sind nur Männer oder Frauen
interessant. Dann gibt es ja auch viele verschiedene Fälle die eintreten
können:
Erstens, ich als Bisexuelle Frau verliebe mich in eine Frau
die aber rein hetero ist.
Zweitens, ich verliebe mich in einen Mann, der zwar hetero
ist aber gegen lesbischen Sex, also bei dem ich meine Neigung nicht ausleben
dürfte, das würde auf Dauer bestimmt nicht funktionieren, weil mir etwas fehlen
würde.
Drittens, was passiert, oder was ist, wenn ich das Gefühl
habe, Gefühle für eine Frau und einen
Mann zu haben? Für wen entscheidet man sich?
Viertens, habe ich dann einen Partner gefunden, ist die
Gefahr, dass ich mich anderweitig verliebe irgendwann ja viel größer als bei
Homo,- oder Heterosexuellen.
Fabian: Noch in den 1960er
Jahren war Homosexualität zumindest unter Männern eine strafbare Handlung.
Seitdem ist viel passiert, seit 2017 dürfen gleichgeschlechtliche Paare endlich
heiraten. Fühlst du dich als Bisexuelle heute genauso akzeptiert wie eine
heterosexuelle Person?
Gina: Ja. Zumindest in meinem Umfeld bin ich voll
akzeptiert, meine Bisexualität hat dem keinen Abbruch getan und fremden
Menschen binde ich es nicht unbedingt auf die Nase. Ich werde auf jeden Fall
ganz normal behandelt, allerdings muss ich sagen, dass ich es in der
Öffentlichkeit auch nicht unbedingt zeige. Ich laufe zum Beispiel mit meiner
Freundin nicht Hand in Hand durch die Stadt. Wäre allerdings auch nicht
angebracht, da ich ja nur sexuelles Interesse an Frauen habe.
Fabian: Wo siehst du im Moment
noch die größten Baustellen in unserer Welt, wo muss die Akzeptanz homo- und bisexueller
Lebensweisen noch gefördert werden? Und glaubst du, dass die Politik die Sorgen
und Ängste der LGBTQ-Community ernst genug nimmt?
Gina: Ich finde schon, dass die Akzeptanz vielerorts noch zu
wünschen übrig lässt, zum Beispiel finde ich es erschreckend, dass homosexuelle
Paare erst seit letztem Jahr heiraten dürfen, mit welcher Begründung erst seit
letztem Jahr? Sind wir nicht in einer Zeit, in der es völlig egal ist, wer wen
liebt? Was interessiert es Gesetzgeber, ob ein Mann einen Mann oder eine Frau
heiratet? Wenn zwei Leute heiraten, dann ja aus Liebe und das sollte
grundsätzlich jedem selbst überlassen werden. Dass man daraus eine Debatte
machen musste ist erschreckend und armseelig. Ebenso sollten homosexuelle Paare
bei der Auswahl von Adoptivfamilien vollkommen gleich berechtigt werden. Es
darf ganz einfach keine Unterschiede in der Behandlung mehr geben.
Nein, die Sorgen und Ängste werden nicht ernst genug
genommen, ich habe den Eindruck, dass es der Politik noch immer ein Dorn im
Auge ist und dieses Gesetz, dass zwei Männer heiraten dürfen, der Politik, oder
manchen Politikern zumindest, nicht recht ist, dass man eher „beigegeben“ hat.
Ich meine, warum muss man sich outen? Warum gibt es noch
immer dieses Image „normal“ sei „Mann und Frau“ und alles andere sei unnormal.
Ich finde es auch normal, dass zwei Männer zusammen sind oder zwei Frauen, es
sind normale Menschen, die einen Menschen lieben. Punkt.
Fabian: Hast du selbst schon
einmal Diskriminierung wegen deiner sexuellen Orientierung erfahren müssen?
Gina: Nein, bisher nicht. Allerdings weiß es eigentlich auch
nur mein näherer Umkreis. Fremde Menschen sehen es mir weder an, noch plaudere
ich es einfach aus, ich würde es allerdings auch nicht abstreiten, würde man
mich fragen.
Aber diskriminiert wurde ich bisher noch nicht.
Fabian: Zum Schluss noch eine
Frage: welchen Rat würdest du Jugendlichen auf den Weg geben wollen, die gerade
für sich entdeckt haben, dass sie bisexuell sind?
Gina: Lasst euch nicht entmutigen, lasst euch nicht in eure
Sexualität reinreden, lebt eure Sexualität einfach nach Herzenslust aus. Wichtig
ist, dass du glücklich mit dir und deiner Sexualität bist, was andere darüber
denken, ist total egal. Auch wenn es hart klingt, es geht niemanden sonst etwas
an. Wer dich als Person wirklich schätzt, dem ist es vollkommen egal, ob du hetero-,
bi- oder homosexuell bist. Wichtig ist, dass du nicht so bist, wie andere dich
gerne hätten, sondern so, wie du eben bist.
Fabian: Vielen Dank, Gina, für
das Gespräch und alles Gute.
[F1]Wenn
du erlaubst, würde ich deine separate Nachricht hier noch einbauen. Ich habe
aber vollstes Verständnis dafür, wenn du das lieber nicht möchtest.
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